Lebenszeichen 7

Chile, Argentinien, USA

Heading north to Atacama & New York // 26.03. – 10.04.2017 // Aktueller Standort: Newark Airport, New York

Von Salta in Argentinien ging es weiter nördlich nach Yala, wo es am darauffolgenden Morgen kam, wie es kommen musste.
Aus dem lustige Quartett wurde wieder das dynamische
Duo, da wir unsere Köln-Düsseldorf Reise-WG auflösen mussten. Für Sandra und Timo ging es weiter nach Paraguay, während wir uns über die Salinas Grandes (Salzsee in Argentinien // Höhe: ca. 3.400m) und den Paso de Sico in körperlich grenzwertige Höhen wagten, um kurz darauf wieder chilenischen Boden zu betreten. Das Ziel ist erreicht – die Atacama Wüste.

Grenzerfahrung

– in bis zu 4.560m Höhe. Es ist doch immer dasselbe. Wer zu schnell zu hoch hinaus will, der stürzt häufig auch schnell wieder ab. So ähnlich war es auch bei uns. Wer von Salta (Argentinien) mit der Allradwohnung in die Atacama Wüste (Chile) möchte, der kommt nicht um einen der hoch gelegenen Andenpässe herum. Egal welchen Pass man wählt, es geht hoch hinaus. Aufgrund einer Empfehlung nahmen wir den Paso de Sico – höchste Stelle: 4.560m. Den Pass in einem Rutsch zu fahren wäre zu lang, deshalb min. eine Nacht auf dem Weg eingeplant. Im Prinzip kein Problem, wenn man vorher Akklimatisierungspausen einlegt – erste Nacht z.B. auf 2.600m-3.000m, zweite Nacht noch etwas höher und dann sollte einen die Höhenkrankheit nicht ereilen. Wer meine persönliche Reiseleiterin und Routenchefin kennt, der weiß, dass wir es so natürlich nicht gemacht haben, schließlich sind wir ja jung, sportlich und höhenunempfindlich!? Von Yala (ca. 1000m Höhe) ging es direkt in das auf dem Paso gelegene Dörfchen San Antonio de los Cobres, welches nicht nur die Frage aufwirft, an welcher Kreuzung man ausversehen nach Afghanistan abgebogen ist, sondern auch auf 3.605m liegt. Wer aufgepasst hat weiß: ist zu hoch für die erste Höhennacht. Das Ergebnis: Gefühl als hätte man einen Gin Tonic zu viel gehabt (teilweise nicht das schlechteste Gefühl, beim Autofahren auf unbefestigten Schotter-Schlagloch-Straßen jedoch unvorteilhaft), Kopfschmerzen, Kreislauf, Schwindel, Schlafstörungen, Sauerstoffmangel, einfach unschön. Am nächsten Morgen sieht man dann auch entsprechend aus. Von diesem Morgen existiert ein Gesichtsschreckfoto von mir. Wer etwas Geld für unsere Eigentums-Allradwohnung spendet, der darf es sehen (Achtung: für Kinder unter 16 Jahren nicht geeignet). Da werfen einen nur Ibuprofen und zwei Tassen Kaffe einigermaßen nach vorne. In Verbindung mit einem verdorbenen Magen ist die Höhenkrankheit dann wirklich nichts, an das man sich gewöhnen könnte. Wenns kommt, dann eben richtig. Was den Magen so zugerichtet hat, werden wir noch final recherchieren. In lädiertem Zustand ging es dann wieder auf die Piste in Richtung Chile. Die zunehmenden Höhenmeter machen es körperlich insgesamt nicht besser, die unwirkliche Umgebung mit leuchtenden Farben, schneebedeckten Vulkanen und türkis schimmernden Lagunen entschädigt aber vollkommen. Nach erfolgreicher Grenzüberquerung geht es dann auf chilenischer Seite irgendwann endlich wieder bergab bis zu unserer Schlaf-Spot im Örtchen Peine (ca. 2.300m). Ein herrliches Gefühl, wenn man wieder normal atmen kann und der Körper wieder so reagiert, wie mann es gerne hätte…bis auf den Heckspringbrunnen. Zu subtil? Ich verzichte dennoch mal auf genauere Beschreibungen. Wie dem auch sei, wir sind in der Atacama Wüste angekommen und haben von unserer Campsite einen faszinierenden Blick darauf. Und was macht man als erstes, wenn man in der Wüste ankommt? Richtig, man springt in den Rock-Pool, der aus einem Fluss gespeist wird. Eine kleine Oase in mitten von Sand, Steinen und viel Nichts – und ein Segen für einen Paso-Sico-Überquerer.

Atacama Wüste 

– wie viel Nichts doch so beeindruckend sein kann. Nach einem abschließenden Guten-Morgen-Sprung in den Pool ging es auf die knapp 100km Lange Strecke von der Oase Peine durch die Atacama, die trockenste Wüste unserer Erde, bis zu unserem nördlichen Endziel – San Pedro de Atacama. Um einen herum existiert in alle Himmelsrichtungen eine noch nie gesehene Weite…und wenn man dann noch eine Straße befährt, die auf einer unserer Karten als „camino sin rescarte“ (Straße ohne Rettung) bezeichnet wird, dann kann man durchaus von einem kleinen Abenteuer sprechen. Der teils tiefsandige Untergrund lässt das Auto immer wieder ordentlich hin und her schlingern, verlangt dem Fahrer etwas Arbeit ab sich nicht festzufahren und zaubert einen eher unentspannten Ausdruck auf Julias Beifahrer-Gesicht. Die Motortemperatur ist jedoch im grünen Bereich, die Klimaanlage funktioniert, in Tank und Reservekanister befindet sich noch ausreichend Sprit und der zuschaltbare Allradantrieb macht seine Arbeit perfekt – also kein Grund zu Sorge, die Wüstenfahrt darf genossen werden. San Pedro de Atacama ist bald erreicht und überrascht uns, nachdem die Einfahrt ins Wüstendorf doch eher wenig einladen erschien. Lemhütten und Staubstraßen können doch sympathischer sein als auf den ersten Blick angenommen. Sogar so sehr, dass wir uns tatsächlich ein bisschen in San Pedro verliebt haben und froh sind, dass wir hier insgesamt fast 4 Tage verbringen können: Mountainbiken im Valle de la Muerte, Wasserlöcher mitten in der Wüste (ojos del salar), Sonnenuntergang im Valle de la Luna, Sonnenaufgang am größten Geysierfeld der südlichen Hemisphäre am Rande des Vulkans El Tatio in 4.300m Höhe und eine letzte Zeltnacht unter einem unbeschreiblichen Sternenhimmel mitten in der Atacama Wüste. Also an sich nichts besonderes…ja ok, ein bisschen vielleicht;-) Die Rückgabe unserer Allradwohnung am 31.03. hat dann schon etwas weh getan:-( Immerhin mussten wir diesmal vor der Abgabe nicht wieder eine Wohnungsgrundreinigung vornehmen, da es hier in der Wüste überraschenderweise keine passende MrWash gibt und das Auto nach geschätzten 12 Fahrminuten eh von innen und außen wieder komplett eingestaubt wäre – das weiß auch der Vermieter und ist in diesem Zusammenhang deshalb sehr entspannt. Letztendlich führt aber kein Weg dran vorbei, dass wir unser Allradabenteuer beenden müssen, von Calama (in der Nähe von San Pedro) zurück nach Santiago fliegen, dort noch eine Nacht und einen Tag verbringen, bevor wir den letzten Stopp dieser Reise einlegen – New York…weil es ja quasi eh auf dem Heimweg liegt, jedenfalls aus meiner Sicht.

Grenzerfahrung

– in New York. Was soll ich sagen…6 Freunde, 7 Tage, 2 1/2 zu feiernde Geburtstage und eine Stadt mit unbegrenzten Möglichkeiten. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass die Tage in New York im Endeffekt anstrengender waren, als die vergangenen drei Monate in Hostels und Zelt zusammen. Allein der Kulturschock, den man erleidet, wenn man nach einem solchen Zelttrip in dieser Stadt landet, will erst mal ohne Tabletten irgendwie verarbeitet werden. Und ich liebe New York, deshalb liegt es ja quasi direkt auf dem Heimweg. Entweder hat meine unschlagbare Argumentationskette (betteln) dazu geführt, dass wir NY doch tatsächlich noch gemacht haben…oder die Tatsache, das vier gute Freunde vor einigen Monaten aus einer Gin-Laune heraus beschlossen haben, dass wir uns dort einfach treffen, um anstehende bzw. vergangene Geburtstage standesgemäß zu feiern. Das haben wir dann auch getan. Und solange niemand von diesen kleinen Abstürzen die jeweiligen Flugschreiber findet, ist alles gut. What happens in New York, stays in New York. (in Wahrheit waren wir sehr anständig und viel zu oft vor 00:00 Uhr im Bett…aber so hört es sich besser an)

Ein Fazit

– darf natürlich nicht fehlen. Es hat sich gelohnt! So viel sei schon mal gesagt. In Uruguay leben sehr viele nette Menschen, die Küste ist nicht hässlich und Zahnpasta ist teurer als ein Kilo bestes Rindfleisch. Wir möchten diese zwei Wochen sicher nicht missen, aber wir haben Hostels und Busse nur allzu gern gegen unsere Allradwohnung getauscht – für uns die perfekte Art zu reisen. Vielleicht würde ich etwas begeisterter von Uruguay berichten, wären wir dort auch mit so einem Teil durch die Gegend gefahren. Man sieht dann einfach Orte abseits vom Tourismus, die sonst nur schwer zu erreichen wären. Chile und Argentinien standen bis zu unserer Reiseplanung eigentlich nie so wirklich auf meiner persönlichen Reiseliste. Im Nachhinein ein grober Fehler und Dank Julia wurde dieser Fehler ja behoben. Diese beiden Länder haben eine unglaubliche Natur zu bieten, die uns ein ums andere mal staunen ließ. Wir haben das große Glück, schon viel von der Welt gesehen zu haben, aber hier kamen nochmal einige unvergleichliche Eindrücke und Momente hinzu. Darüber hinaus ist uns eines aber auch mal wieder deutlich klar geworden: verglichen mit dem, was man in Uruguay, Chile und Argentinien manchmal vorfindet, lebt die Mehrheit von uns in Deutschland schon ein wirklich königliches Leben. Ob man all das, was wir haben jedoch wirklich braucht, ist eine ganz andere Frage. Es ist überraschend, wie wenig man doch am Ende des Tages wirklich braucht und an was man sich gewöhnen kann. Wir vermissen mittlerweile z.B. nur sehr wenige Dinge. Aber keine Angst, ich werde mich sicher schnell wieder an die „Realität“ gewöhnen, mir das zwanzigste T-Shirt einer schwedischen Modekette kaufen, meine „Ich-will-haben-Liste“ füllen und ggf. sogar wieder öfter als ein mal die Woche duschen…vielleicht. Wir freuen uns auf zu Hause…aber ich vermisse unser Zelt und diese Art zu leben schon jetzt. Im Endeffekt bin ich momentan ganz klar glücklichunglücklich. Aber hey, den Winter haben wir immerhin erfolgreich übersprungen und die Reisepläne gehen uns so schnell auch nicht aus. Es könnte in naher Zukunft also wieder etwas zu lesen  geben…

Fakten:

  • gefahrene Autokilometer gesamt: 11.305km
  • gefahrene Fahrradkilometer gesamt: ca. 45km
  • gewanderte/gelaufene km gesamt: ca. 260km
  • Teelichter werden in der Wüste flüssig
  • Plastikflaschen mögen Höhe nicht
  • wenn eine Spinne eine gewisse Größe überschreitet, dann ist das bäh
  • Durchfall heißt auf Spanisch „diarrea“







3 Gedanken zu „Lebenszeichen 7“

  1. Wow, was für ein toller Bericht, was für Erfahrungen und Erlebnisse. Es ist Schade, dass wir auf solche wunderbaren Geschichten und Bilder vorerst verzichten müssen. Einen
    großen Trost und eine noch viel, viel, viel gröööööößer Freude gibt es, denn Morgen können wir euch wieder in die Arme
    schießen. Ganz liebe Grüße von Monika und Klaus

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